Wer war Otto Gross?
Otto Gross (1877-1920) wurde von den einen als begnadeter
Analytiker, genialer Gelehrter und Philosoph gefeiert, während
die anderen ihn als "gemeingefährlichen Geisteskranken"
internieren und auf Lebenszeit entmündigen lassen konnten.
Otto Gross' Werdegang - vom Arzt und Psychiater zum Analytiker,
Politiker, Anarchisten und schließlich Kommunisten - zeigt,
analog zu seinen Theorien der sozialen Bedingtheit der Psychoanalyse
und des Konflikts zwischen dem Eigenen und dem Fremden, eine
Linie auf, die auch heute im Zentrum von Diskussionen steht:
Fragen nach den sozialen und politischen Implikationen von Psychiatrie
und Psychotherapie beschäftigen nicht nur einige wenige
Psychoanalytiker, die Problematik der antiautoritären, repressionsfreien
Erziehung, der Befreiung aus patriarchalen hierarchischen Strukturen
im Rahmen von Familie, Ehe, Beruf usw., die Emanzipation der
Frau im Speziellen, die freie Entscheidung des Individuums über
sein Leben auch bezüglich Drogenkonsum und Euthanasie, letztlich
also Fragen um die Freiheit des Individuums gegenüber gesellschaftlichen
Normen und Überlieferungen wurden damals und werden heute
gestellt. Allein schon aus diesem Themenkatalog wird Otto Gross'
Bedeutung für die heutige Zeit ersichtlich, denn: Das Phänomen
Otto Gross symbolisiert die Suche nach der besseren Gesellschaft,
nach der Auflösung von Geschlechterbeziehungen, die sich
als unterdrückerisch erweisen, nach Utopien in Zeiten, denen
tragfähige Konzepte und Sinnhaftigkeit fehlen. Sein Werk
ist aktueller denn je, sein Leben war dem Werk parallel
laufend -, in mancher Hinsicht exemplarisch und illustriert vieles
von dem, was Gross in seinen Arbeiten gefunden und gefordert
hat.
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Wer ist die "Internationale Otto Gross
Gesellschaft e.V."?
Die Gesellschaft
wurde auf dem 1.
Internationalen Otto Gross Kongress, der vom 28.-30. Mai
1999 in Berlin stattfand, gegründet. In der Satzung
heißt es über Ziele und Aufgaben: "Aufgabe der
Gesellschaft ist es, das Werk und die gesellschaftliche Wirkung
der Tätigkeit des Arztes, Wissenschaftlers und Revolutionärs
Otto Gross zu erforschen, seinen Einfluss auf die geistesgeschichtliche
Entwicklung des 20. Jahrhunderts darzustellen und die Ergebnisse
dieser Arbeit öffentlich zugänglich zu machen, auch
durch Veröffentlichungen und Veranstaltungen aller Art und
durch alle sonstigen Maßnahmen, welche den Zielen und Zwecken
der Gesellschaft zu dienen geeignet sind." (Paragraph
2, Abs. 1)
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